Parallelwelten

der 1.mai in kreuzberg:

Berlins Innensenator Ehrhart Körting sprach von einem Rückschlag. Die Bemühungen, den Tag rund um den 1. Mai in der Hauptstadt friedlich zu gestalten, hätten in diesem Jahr nicht so erfolgreich gegriffen wie in den vergangenen Jahren. Die Demonstration um 18 Uhr habe jedoch schon mit Gewalt begonnen, die bis weit nach Mitternacht angehalten habe. Körting sprach von einer „anderen Qualität“ als im vergangenen Jahr. Die Gewalttäter könnten sich nicht als Protagonisten sozialer Unruhen rechtfertigen, sagte Körting. „Die Randale stand eindeutig im Vordergrund“, betonte der SPD-Politiker.

spiegel-online

vs

23.43, Oranienstraße: Die Stimmung ist kurz vor dem Überkochen. Hunderte springen und schreien dicht gedrängt auf der Oranienstraße, ein DJ heizt der Menge ein. Ein Frau auf der Bühne hält eine Pappe hoch: „Gegen den Ernst der Lage“ steht darauf. Die Masse tanzt. Und jubelt. Und feiert. Kaum zu glauben, dass nur 50 Meter weiter um die Ecke in der Adalbertstraße immernoch die Polizei und ein paar junge Männer Katz und Maus spielen. Ab und an fliegen Flaschen, ab und an stürmt die Polizeikette vor und greift sich einzelne aus der Menge. Ritualinszenierungen. Mittendrin lodert der Versuch einer Barrikade. Ein paar Bierbänke, ein paar rote Absperrgitter, ein paar Pappkartons. Ein junger Mann erregt sich am Straßenrand über einen jungen Fotografen mit Helm, weil der ihn bei einem Flaschenwurf geknipst hat. Wenn er wüsste, welch detaillierte Bilder die Poliezi mit ihren Kameras einfängt. Einzelne „Haut ab!“-Rufe Richtung Polizei erklingen. Dann brennt es auch mal wieder auf der Kreuzung Oranien-, Ecke Adalbertstraße. Der tanzenden Menge dort ist es egal. Der DJ setzt die Bässe aus, die Menschen schmeißen die Arme in die Luft. Der Döner-Verkäufer gegenüber wackelt mit den Hüften und zuckt mit den Schultern.

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